Abgewöhnt

Jemand, der eines Tages beschließt, Vegetarier zu werden – aus moralischen Gründen – der verliert nach und nach seinen Appetit auf Fleisch. Am Anfang mag es vielleicht noch wie eine künstliche Zügelung einer als natürlich empfundenen Handlung wirken.

Fleisch fehlt.

Dann, nach einiger Zeit erscheint es nur noch wie ein unreflektiertes Ritual aus dunklen Zeiten, Fleisch zu essen. Die Erinnerung an den Geschmack verblasst, es finden sich Alternativen in Hülle und Fülle, auf die man vorher vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Fleisch fehlt ganz und gar nicht mehr.

Es war ja nur eine lieblose Gewöhnung, mehr nicht. Und mehr als das. Der Geruch eines Steaks, der Anblick eines Mettbrötchens rufen Ekel hervor. Zwingt man diesen Jemand, nun doch mal bitte aus gesellschaftlicher Verpflichtung eine Scheibe Schinke oder ähnliches zu essen, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass Erbrechen oder zumindest Magenkrämpfe folgen werden.

Ganz genau so geht es mir mit dir. Wenn ich zufällig ein Foto von dir sehe, oder sich eine deiner hochmütigen Phrasen von irgendwo weit hinten aus meinem allerletzten Hirnwinkel in mein Bewusstsein drängt, dann reagiert mein Körper mit Abscheu. Mein Hals schnürt sich zu und ich muss mich kurz schütteln.

Ekel überkommt mich beim Gedanken an dich: eine in ranzigem Fett frittierte Bratwurst, zusammengepresst in einer Pelle aus glänzendem Darm.

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